Vor einiger Zeit hat das neue Semester angefangen und ich habe mich unter Todesverachtung ins Labor begeben, um in die Tiefen der Welt der winzigen Tierchen vorzudringen
Zwei Wochen sind seit Beginn des Labors vergangen und ich möchte die Welt mal ein bisschen an meinen Erlebnissen teilhaben lassen.
Angefangen hat alles wie in einer Küche. Verschiedene Zutaten zusammenrühren, in einen Druckkochtopf (= Autoklav) stellen und ein bisschen kochen (= sterilisieren). Bis auf das nervtötende Pfeifen, wenn das Druckventil aufgeht,eigentlich alles halb so wild.
Ab dem nächsten Tag gings aber auch schon los: Wir mussten Hefezellen zählen, vermessen, färben, kultivieren, usw. Also haben wir ein paar Tage mit unseren Hefen gespielt,wobei es hin und wieder verdächtig nach Malz (vom Malzextraktagar, der als Nahrung für die Tierchen dient) und Bier (von Saccharomyces cerevisiae - der Bierhefe) gerochen hat.
Und nie das aseptische Arbeiten vergessen! Das geht zum Beispiel für die Entnahme von Mikroorganismen aus einer Flüssigkeit so: Brenner aufdrehen (bei denen im neuen Labor gibts keinen Knopf, dafür muss man vor einem Sensor herumwacheln ... seltsames Patent *g*), zu bearbeitende Schraubflasche, etc. in die eine, Pipettierhilfe mit angebrachter Pipette (bis zu 20 cm lang) in die andere Hand nehmen. Dann das Schraubfläschchen mit dem kleinen Finger der Hand, in der man die Pipette hält, aufschrauben und den Stöpsel unbedingt dort behalten und keinesfalls irgendwo hinlegen! Öffnung der Flasche über die Flamme des Brenners ziehen, mit der Pipette Flüssigkeit aufsaugen, Öffnung wieder über die Flamme ziehen und Fläschchen wieder verschließen (aber auf keinen Fall ganz, sondern den Verschluss immer eine halbe Drehung offen lassen, sonst kriegen die armen Tierchen keine Luft mehr!). Und während der ganzen Zeit bloß nicht mit der Spitze der sterilen Pipette irgendwo ankommen! Klingt kompliziert? Ist es auch - aber man gewöhnt sich dran.
Dann kamen langsam die Pilze (Schimmel) dazu. Ich weiß jetzt also immerhin, wie ich den Schimmel anzureden habe, wenn er sich wieder einmal auf meinem Brot breitmacht: Rhizopus stolonifer! So schaut das ganze in einer Petrischale aus:
Schimmelkäse wollte ich ja noch nie probieren, aber seitdem ich weiß, wie das, was da drinnen ist (Penicillium roqueforti), in Reinform ausschaut, kann ich mich auch weiterhin zurückhalten ... Als dann die Hefen und Pilze abgeschlossen waren, kam wieder ein Tag, den wir mit Kochen verbrachten. Aber Abwechslung muss sein, also gab es diesmal andere Rezepte zu bearbeiten. Am besten hat uns allen der magentafarbene Thioglycolat-Agar gefallen, vor allem weil er sich von den bis jetzt immer gelben Medien unterschieden hat.
Die zweite Woche versprach also noch interessanter zu werden, weil jede/r StudentIn (immer brav gendern, gell *g*) eine Suspension mit zwei verschiedenen unbekannten Bakterien bekommen hat. Eines davon war einfach zu bearbeiten, weil es Sauerstoff verträgt, das andere war ein bisschen schwieriger, weil es auf Sauerstoff mit einem Massensterben reagiert.
Viele von uns wünschten sich gleich am ersten Tag die Bierhefe zurück, weil sie das Glück hatten eine von drei Clostridien-Stämmen in ihrer Suspension vorzufinden, was vor allem für die Nase nicht wirklich eine Freude ist. Mein Fläschchen verströmte einen wunderbaren Geruch nach Kanal mit Komponenten, die ich nicht weiter beschreiben kann und will. Also Nase zu und durch.
Bei den aeroben (sauerstofftoleranten) Bakterien gab es die Möglichkeit einen Staphylokokken-Stamm oder einen Enterobacteriaceae-Stamm zu haben. Weil sich die aufgrund der Zellwandstruktur in der Färbung unterscheiden, machten wir also eine Färbung, bei der die einen violett und die anderen rosa zu sehen waren.
Aufgrund der Erkenntnisse aus der Färbung, machten wir dann einen etwas umfangreicheren Test (Api-Test) um unsere Stämme zu identifizieren. Dabei muss man die Bakterien in 21 kleine Näpfchen pipettieren, in denen Nährmedium, Indikatoren, etc. schon vom Hersteller bereitgestellt werden und die Tests dann über Nacht bebrüten. Am nächsten Tag kann man dann auswerten, welche Näpfchen eine positive (Wachstum) und welche eine negative (kein Wachstum) Entwicklung zeigen. Man bekommt dann eine siebenstellige Zahl, die man theoretisch auch in einem dicken Wälzer von Buch finden sollte. Es funktioniert auch ganz gut, wenn die Reaktionen eindeutig ablaufen, was nicht immer der Fall ist. Aber zum Schluss hatten es alle geschafft.
Die anaeroben (sauerstoffintoleranten) Bakterien haben wir auch alle noch getestet und sie dann ebenfalls identifiziert. Jedoch nicht mit einem Api-Test, sondern durch Bebrüten in einer Eprouvette und Untersuchung auf Gas- und Säurebildung, sowie der Bildung von Indol (Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan). Hier war die Identifizierung meiner Meinung nach leichter, weil unter anderem der typische Geruch jedes Clostridien-Stammes gut zu vergleichen war. Die StudentInnen, die Lactobacillen hatten, brauchten sich überhaupt nur anschauen, wie sich mit Lackmus (Indikator) versetzte Milch über Nacht veränderte. War aber trotzdem ziemlich interessant, weil sich die ehemals lavendelfarbene Milch von rosa bis hellorange in unterschiedlichen Schattierungen präsentierte.
Heute geht es weiter mit Kochen und ab Montag gibt es dann das Antibiotika-Beispiel. Ich bin schon gespannt wie ein Regenschirm.
Ich hoffe, der Bericht ist nicht zu wissenschaftlich formuliert, für Wünsche, Anregungen und Beschwerden stehe ich aber jederzeit zur Verfügung. (Schreibt Kommentare Leute!)
Hallo,
bin endlich dazugekommen, den Bericht über die Laborereignisse zu lesen. Habe mich gut unterhalten. Man kann die Vorgänge gut nachvollziehen. Weiter so. Freue mich schon auf den nächsten Bericht. eoben