Österreich hat also gewählt, und jedes Volk kommt die Regierung, die es verdient. So sagt man jedenfalls.
Es stellt sich aber trotzdem die Frage, ob es nicht so ist, daß subjektiv einige nach dem heutigen Tag nicht das Gefühl haben werden, das zu verdienen. Ich persönlich halte mich normalerweise mit politischer Kritik sehr zurück, aber diese Wahl läßt mich auch nicht kalt.
Rechtstrends gibt es nun schon seit den Neunziger-Jahren, doch das heute Ergebnis ist mehr als leicht alarmierend: 30 Prozent der Wähler wünschen sich eine rechte Regierung. Warum ist das so? Ist es echt so ein Gesinnungswandel, der stattgefunden hat? Oder doch so viele Protestwähler?
Ich persönlich finde, man hat bei den großen Parteien vieles falsch gemacht. Es wurde mit Dingen argumentiert, und es wurden Besipiele konstruiert, die niemanden angesprochen haben:
- die Studiengebühren abzuschaffen, freut die Studenten, aber wie viele sind das? Wie viele der 6 Millionen Menschen reagieren überhaupt auf so eine Jubelmeldung mit gleichgeschalteter Euphorie?
- Teuerung, Pflege und so weiter: Auch hier vermisse ich die notwendige Breite. Offenbar sind diese Themen den Menschen gar nicht so wichtig, wie immer behauptet wurde. Ganz im Gegenteil: wir sind alle schon damit übersättigt, können diese Worte nicht mehr hören.
- Probleme der Arbeiter, Bürger, Bauern konnten nicht getroffen werden. Auch die vollkommen verfehlte EU-Politik der letzten Jahre konnte niemand zugeben, geschweige denn Lösungen anbieten.
Wiederum werden SPÖ/ÖVP in eine große Koalition versuchen zu gehen. Und wir werden in 2, 3 Jahren wieder wählen. Wie stark wird rechts dann sein? Können die Parteien bitte endlich versuchen, die Bürger zu beruhigen, ihnen die EU so zu erklären daß sie alle verstehen (derzeit braucht man dazu Matura oder ein abgeschlossenes Studium) und auf ihre Wünsche und Sorgen einzugehen anstatt immer nur abgedroschene Sprüche zu klopfen?
Oder wir bekommen einen Kanzler Strache. Vielleicht soll man die Rechten nur mal machen lassen. Vielleicht zeigen sie ja selber, daß sie nicht regieren können. Oder aber: Die Menschen wären sehr zufrieden. Selbst wenn wir blau jetzt verhindern, dieser Damm birst demnächst. Ein oder zwei Wahlen maximal, dann sind sie die führende Kraft im Land. Geschaffen durch jene, die sie immer verhindern wollten.
Offenbar war die Politik der Ausgrenzung (vor allem SPÖ) die falsche. Wird diesen Fehler noch jemand korrigieren?
F.